Spaetmittelalter 
Spätmittelalter (ca. 1250 bis ca. 1500), in der älteren Forschung auch als der „Herbst des Mittelalters“ bezeichnet, nach dem Scheitern der klassischen Kaiseridee (Habsburger und Luxemburger)

Europa erlebte nach Ansicht der älteren Forschung ab ca. 1300 eine gewisse Krisenzeit. Objektiv feststellbar sind etwa Wetterveränderungen, die sich nachteilig auswirkten, doch dominierte in Deutschland lange Zeit auch die Ansicht, dass es zu einer politischen Krisenzeit gekommen sei. Diese Forschungsdebatte betraf allerdings stärker die deutsche Mediävistik, weil dort die Abfolge des Mittelalters in drei Stufen prägend war. In Italien oder Frankreich wurde keine derartig scharfe Trennung vorgenommen. In der neueren deutschsprachigen Forschung wird wesentlich differenzierter geurteilt und unter anderem die Übergänge in die beginnende Neuzeit betont; hinzu kommen neue Forschungsansätze und neue Quellenbefunde. Insofern hat ein Paradigmenwechsel in der Spätmittelalterforschung stattgefunden.
Im Heiligen Römischen Reich (der Begriff taucht erstmals 1254 in den Quellen auf) verlor die ohnehin nicht besonders ausgeprägte Königsmacht weiter an Einfluss, während die Macht der zahlreichen weltlichen und geistlichen Landesherren erstarkte. Die Königswahl oblag seit dem Interregnum den Kurfürsten, die auch Einfluss auf die Reichspolitik nahmen. Das Königtum musste verstärkt eine Hausmachtpolitik betreiben, um den Verlust des schwindenden Reichsguts zu kompensieren, wobei die Häuser Habsburg, Luxemburg und Wittelsbach am einflussreichsten waren. Das Kaisertum wurde nach dem Ende der Stauferzeit durch die Kaiserkrönung Heinrichs VII. 1312 erneuert. In der Zeit seines Nachfolgers Ludwigs IV. kam es zum letzten Grundsatzkonflikt zwischen Kaisertum und Papsttum. Als bedeutendster Kaiser des Spätmittelalters wird in der Regel Karl IV. betrachtet, der den luxemburgischen Hausmachtkomplex erheblich vergrößerte. Eine Art Reichsgrundgesetz bildete die in seiner Regierungszeit erarbeitete Goldene Bulle von 1356. Das spätmittelalterliche römisch-deutsche Königtum litt dennoch unter erheblichen strukturellen Mängeln, so dass sich keine starke Zentralgewalt im Reich entwickelte. Mit dem Tod Kaiser Sigismunds im Jahr 1437 erlosch die männliche Linie der Luxemburger; ihr Erbe im Reich traten die Habsburger an, die bis zum Ende des Reichs 1806 fast kontinuierlich die römisch-deutschen Kaiser stellten.
Im Jahre 1291 fiel Akkon, die letzte Festung der Kreuzfahrer im Nahen Osten, die Autorität des Papstes schwand im Zuge des sogenannten Abendländischen Schismas. Die schlimmste Katastrophe in der sogenannten Krise des 14. Jahrhunderts stellte jedoch die Pest dar, der „Schwarze Tod“, die ab 1347 von der Halbinsel Krim im Schwarzen Meer kommend die Länder Europas verheerte und zwischen einem Drittel und der Hälfte der europäischen Bevölkerung, vor allem in den Städten, das Leben kostete. Die Entvölkerung führte zu Aufständen und einem Wandel der Sozialstrukturen, die das Rittertum zugunsten des Bürgertums schwächten und in der katholischen Kirche einige Reformbewegungen auslösten. Während das Byzantinische Reich nach der Eroberung Konstantinopels 1204 während des Vierten Kreuzzuges langsam aber sicher seinem Untergang entgegenging, gewannen die christlichen Reiche auf der iberischen Halbinsel nach dem Sieg bei Las Navas de Tolosa im Jahre 1212 immer weiter an Boden. 1492 endete die Reconquista mit der Eroberung des Emirats von Granada. Infolge der Reconquista entstanden die christlichen Königreiche Portugal und Spanien (bestehend aus den vereinigten Reichen Aragon und Kastilien). Muslime und Juden, die nicht gewillt waren zum Christentum zu konvertieren, wurden aus Spanien vertrieben (Siehe auch: Alhambra-Edikt). 1453 fiel Konstantinopel an die osmanischen Türken, während im römisch-deutschen Reich der Buchdruck mit beweglichen Lettern erfunden wurde.
Im 14. Jahrhundert begann aufgrund von Erbstreitigkeiten um die französische Krone der Hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England. Von 1340 bis etwa 1420 behielten die Engländer weitgehend die Oberhand. Jeanne d'Arc, heute als die Jungfrau von Orleans bekannt, gab im frühen 15. Jahrhundert den Franzosen wieder Hoffnung, die bei Orleans 1429 einen Sieg errangen und in die Offensive gingen. Jeanne d'Arc wurde 1431 von den Engländern zum Tode verurteilt, doch Frankreich konnte den Krieg 1453 siegreich beenden. Während die französischen Könige aus dem Haus Valois nun bestrebt waren, ihre Macht wieder zu festigen, gerieten sie gleichzeitig in Konflikt mit dem Haus Burgund, einer Nebenlinie des französischen Königshauses, das eigene Interessen verfolgte. England litt in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts unter schweren inneren Unruhen, die schließlich zum offenen Thronkampf der Häuser York und Lancaster führten, der als die Rosenkriege bekannt ist. Am Ende setzte sich 1485 das Haus Tudor durch
Kunst und Wissenschaften befanden sich im Spätmittelalter im Aufbruch. Die bereits im Hochmittelalter erfolgte Gründung der ersten Universitäten, vor allem in Italien (Bologna) und Frankreich (Paris), verhalf den Wissenschaften und der Philosophie zu einem neuen Aufschwung, denn sie verbreiten die Lehren antiker Gelehrter und ebneten so den Boden für die Epoche der Renaissance. Den Künstlern eröffneten sich neue Möglichkeiten dank Auftragsarbeiten für das selbstbewusste Bürgertum: Die bisher auf kirchliche Motive beschränkte Malerei wurde nun auf andere Bereiche ausgeweitet, auch die Dreidimensionalität wurde von den Malern entdeckt. Die Architektur lehnte sich infolge der Renaissancebewegung wieder an alte römische und griechische Vorbilder an.
Die Wirtschaft erlebte trotz der Pest eine Blüte. Das Spätmittelalter war die Zeit des aufsteigenden Bürgertums der Städte und der Geldwirtschaft. Genannt seien die italienischen Stadtstaaten, die Städte Flanderns und der Städtebund der Hanse an Nord- und Ostsee. Die Hanse bewirkte durch den schwunghaften Handel eine weitere Besiedelung Nord- und vor allem Osteuropas durch hauptsächlich deutsche Kolonisten (Siehe auch: Ostkolonisation). Durch die Handelskontakte entstanden daneben in Russland eine Reihe neuer Fürstentümer, die nach und nach das mongolische Joch abschüttelten. Aus dem mächtigsten von ihnen, dem Fürstentum Moskau, sollte sich später das russische Zarenreich entwickeln.


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